Samstag, 26. April 2014

Die Universität der Zukunft

Anlässlich 650 Jahre Universität Wien (zuerst veröffentlicht im offiziellen Blog der Universität Wien)






Die Universität der Zukunft ist ein Ort des Mutes. Sie ist eine Spielwiese der Neugier, ein Labor der Experimente, der Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise.

„Lernen ist Vorfreude auf sich selbst.“
(Peter Sloterdijk)

Neugier und Wissbegierde sind dem Menschen angeboren. Lernen ist ein Prozess des Entdeckens, der laufend überall stattfindet und kein herausgehobener, extrahierter Vorgang ist. Lernen ist daher nicht mit Universität gleichzusetzen, es findet nur unter anderem auch dort – unter bestmöglichen Bedingungen – statt.

In der Universität der Zukunft werden Fehler als integraler Bestandteil des Lernprozesses verstanden. Es gilt demnach nicht diese zu vermeiden, denn erst das Probieren verschiedener Lösungen, und damit einhergehend auch das Scheitern, ermöglichen es Wissen und Können im Gehirn zu verankern. Daher werden Fehler beim Lernen und das Scheitern an Aufgaben nicht bestraft, sondern explizit gewünscht. Sie erlauben das Wachstum über sich selbst hinaus. Wer den Mut zum Scheitern hat, wem die Angst vor dem Versagen genommen wird, hat die Freiheit wahrlich Neues, noch nie Dagewesenes – die Zukunft – zu erschaffen.

Es gibt kein Auswendig-Lernen, kein Bulimie-Wissen, keine Prüfungen, bei denen eingepauktes Wissen abgefragt wird, um dann wieder schnellstmöglich vergessen zu werden. Man studiert, um Zusammenhänge zu verstehen, um Neues zu entdecken und zu erschaffen. „Learn-to-remember“ wird durch „learn-to-understand“ abgelöst.

Das Erforschen eines Themas ist nicht geradlinig auf von Lehrenden vorgegebene Ziele zugeschnitten. Die Reise wird am Anfang gemeinsam geplant. Sie kann und soll jedoch weit über den Horizont, das Wissen der Lehrenden, hinausgehen und darf auch in eine gänzlich unvorhergesehene Richtung führen. Irrtümer sind erlaubt, denn „errare“, das Herumirren auf der Wanderung, führt oft zu den besten Entdeckungen der Reise.

Es gibt keine Noten, daher entfällt die Selbstdefinition der Studierenden über eine Zahl zwischen 1 und 5. Die Motivation liegt in der natürlichen Neugier, in der Suche nach Lösungen und im Wettbewerb. Dabei geht es nicht um die Kraft von Einzelkämpfern, sondern um Teamarbeit. Die Teams nützen die individuellen Stärken ihrer Mitglieder, ihre verschiedenen Ansätze, ihre unterschiedlichen Hintergründe und Ansätze. Die Studierenden müssen sich ihre Arbeitsteams selbst zusammenstellen. Quer durch alle Fachrichtungen holen Sie sich die besten Köpfe, die gemeinsam an fächerübergreifenden Projekten arbeiten. Darum werden alle bemüht sein, in möglichst heterogenen Teams zu arbeiten. Je mehr Vielfalt, desto besser für die Erforschung eines Themas. Je unterschiedlichere Ansätze, desto eher wird Neues entdeckt.

Die Lehrenden sind nur Begleiter in diesem Lernprozess. Das höchste Ziel aller Lehrenden der Universität ist, dass ihre Studierenden besser als sie werden. Es geht bei den Lehrenden also bei Weitem nicht mehr rein um die fachliche Kompetenz, sondern um die entscheidende Frage, ob sie hell genug brennen, um das Feuer in anderen zu entfachen.

Die Aufgabe der Lehrenden ist dabei so schlicht, wie herausfordernd:

Der zukünftigen Generation den Mut für große Ideen zu geben, damit sie zu einer inspirierenden Entdeckungsreise aufbrechen können.


TG / Univ.-Lektor Mag. phil. Gergely Teglasy, Fakultät für Sozialwissenschaften, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft


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